Schlagzeugparts transkribieren

Das Transkribieren von Schlagzeugparts erfordert eine Mischung aus technischer Fertigkeit, Gehörtraining und einem starken Verständnis für Rhythmus. Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um dir den Einstieg zu erleichtern:

1. Mache dich mit der Standard-Notenschrift für Schlagzeug vertraut

Anders als bei anderen Instrumenten trifft man bei der Notation des Schlagzeugs auf ein kleines Problem: Es gibt keine einheitliche Regel, welches Instrument des Schlagzeugs durch welche Note im Notensystem notiert wird. Das liegt daran, dass Schlagzeuger:innen unterschiedliche Auffassungen darüber haben, auf welcher Linie welches Instrument zu notieren ist. Auch Notationsprogramme bieten verschiedene Möglichkeiten der Notation an.

Bevor du mit dem Transkribieren beginnst, ist es wichtig, zu verstehen, wie man die Standard-Schlagzeugnotation liest und schreibt. Die folgende Abbildung zeigt einen verbreiteten Standard:

  • Notenlinien: Die Standard-Schlagzeugnotation verwendet ein fünfzeiliges Notensystem (ähnlich wie normale Musiknotation), wobei jede Linie oder jedes Zwischenraumfeld ein anderes Schlagzeug- oder Becken-Element repräsentiert.
  • Platzierung der Trommeln/Becken: Jede Linie oder jeder Raum entspricht einem bestimmten Schlagzeugelement:
    • Bassdrum: Unterste Linie oder ein Zusatzstrich unterhalb des Notensystems.
    • Snare Drum: Zweite Linie von unten.
    • Hi-Hat: Oberster Zwischenraum oder oberste Linie.
    • Toms: Jedes Tom hat eine eigene Linie oder einen eigenen Raum.
    • Crash- und Ride-Becken: Üblicherweise über dem Notensystem mit einem Kreuz notiert.

Sich mit der Zuordnung der einzelnen Schlagzeugteile in der Notation vertraut zu machen, erleichtert das Transkribieren erheblich.

2. Aktives Zuhören und Elemente isolieren

Beim Transkribieren ist dein Gehör das wichtigste Werkzeug. Zerlege das Stück in kleine, überschaubare Abschnitte und konzentriere dich nacheinander auf einzelne Elemente (Bassdrum, Snare, Hi-Hat, Becken, Toms).

  • Sektionen loopen: Nutze Software wie Audacity oder Transcribe!, um bestimmte Abschnitte zu wiederholen und genau herauszuhören.
  • Tempo und Taktart bestimmen: Ermittele zunächst das Tempo und die Taktart, da diese die Grundlage für den rhythmischen Aufbau bilden.

3. Rhythmusmuster analysieren

Schlagzeug spielt vor allem eine rhythmische Rolle, daher ist es wichtig, die Muster für jedes Instrument herauszufiltern:

  • Bassdrum: Achte darauf, wo die Bassdrum im Verhältnis zur restlichen Band platziert ist. Sie spielt oft auf den starken Zählzeiten (1 und 3 im 4/4-Takt), kann aber auch synkopierte Rhythmen enthalten.
  • Snare Drum: Die Snare spielt häufig auf den Backbeats (Zählzeiten 2 und 4 im 4/4-Takt), aber es gibt auch Offbeat-Hits in komplexeren Mustern.
  • Hi-Hat oder Becken: Die Hi-Hat spielt typischerweise Achtelnoten, kann aber auch komplexere Muster enthalten, wie Sechzehntelnoten, Triolen oder offene Hi-Hat-Schläge für Akzente.

Ein Metronom oder ein rhythmisches Raster in einer Software kann dir helfen, das Timing beim Transkribieren exakt zu erfassen.

4. Notiere das Transkript

Beginne mit der Notation deiner Transkription. Es ist hilfreich, eine digitale Notationssoftware wie Finale, Sibelius oder kostenlose Alternativen wie MuseScore zu verwenden. Alternativ kannst du natürlich auch von Hand schreiben.

  • Layering nutzen: Bei komplexeren Parts kann es helfen, verschiedene Ebenen für jedes Element zu verwenden (z. B. eine Ebene für die Bassdrum, eine für die Snare, eine für die Hi-Hat), um die Übersicht zu behalten.
  • Akzente und Dynamik beachten: Notiere Akzente oder dynamische Veränderungen (laute/leise Schläge), da diese für das Feeling des Schlagzeugparts entscheidend sind.
  • Artikulationen einfügen: Markiere spezielle Techniken wie Ghost Notes (kleine Noten für leise Schläge), Rimshots oder offene/geschlossene Hi-Hat-Schläge.

5. Schlagzeug-Notationssoftware nutzen (optional)

Wenn du professionell transkribieren möchtest, sind Software-Tools wie Sibelius, Finale oder Dorico hilfreich, um präzise Notationen zu erstellen. Alternativ gibt es speziell auf Schlagzeug fokussierte Programme wie DrumScore oder ScoreCloud, die dir dabei helfen können.

6. Überprüfe deine Transkription

Sobald du deine Transkription fertiggestellt hast, überprüfe sie, indem du sie mit der Originalaufnahme vergleichst. Spiele dazu den Part mit oder nutze eine Drum-Software, um sicherzustellen, dass die Notation mit dem Original übereinstimmt. Achte darauf, dass die Rhythmen exakt wiedergegeben sind und die Dynamik korrekt erfasst wurde.

7. Übung macht den Meister

Wie jede andere Fähigkeit erfordert auch das Transkribieren von Schlagzeugparts kontinuierliche Übung. Beginne mit einfacheren Songs und steigere dich nach und nach zu komplexeren Stücken. Je mehr du transkribierst, desto besser wirst du darin, feine Nuancen im Schlagzeugspiel zu erkennen.

8. Studiere professionelle Transkriptionen

Das Studium professioneller Schlagzeug-Transkriptionen kann dir wertvolle Einblicke geben, wie erfahrene Transkribierer unterschiedliche Herausforderungen meistern. Schaue dir Schlagzeugbücher oder Online-Ressourcen an, in denen professionelle Drummer klassische Schlagzeugparts analysiert haben.

9. Achte auf das Groove-Gefühl

Technische Präzision ist wichtig, aber ebenso entscheidend ist das Groove-Gefühl. Falls du einen Part aus einer Live-Aufnahme transkribierst, achte besonders auf das Timing, die Artikulation und die Gesamtatmosphäre der Performance.

10. Fazit

Das Transkribieren von Schlagzeugparts ist eine Fähigkeit, die sich mit der Zeit verbessert. Durch aktives Zuhören, technisches Wissen über Rhythmen und Notation sowie regelmäßiges Üben wirst du schon bald Schlagzeugparts wie ein Profi transkribieren können!

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